| Interview mit Univ. Prof. Dr. Nachtnebel |
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Unfortunately there is no english version available yet. Wasser, Wissenschaft und Entwicklungszusammenarbeit: am Schnittpunkt von Wasser- und Lebenswelten. Werden aus Ihrer Erfahrung Forschungsprojekte in Entwicklungsländern so ausgerichtet, dass sie auch im Land verankert werden – Stichwort Einbindung von Forschern, Bevölkerung und Behörden -, und haben Sie während Ihrer Laufbahn Veränderungen in der Herangehensweise festgestellt?
Prof. Nachtnebel: Bei den meisten Projekten, bei denen ich beteiligt war, war es selbstverständlich, dass von Anfang an die jeweils nationalen Forscher und Forschergruppen in die Projekte eingebunden waren. Welche Erfahrungen haben Sie mit Forscherkollegen und lokalen Behörden gemacht, wenn Projekte aus dem Ausland an sie herangetragen wurden? Wie wurden Möglichkeiten zur Mitarbeit aufgenommen?
Prof. Nachtnebel: Am Anfang gibt es bei den Beteiligten eine hohe Erwartungshaltung. Es geht primär darum, wie viel Geld bekommt die Uni und wie viel der einzelne Beteiligte bzw. sein Institut - also eine sehr egozentrische Haltung. Westliche Forscher aus sind also eher Mediatoren und Initiatoren. Geforscht wird von den Forschern vor Ort im Land selber, d.h. Entwicklungszusammenarbeit ist kein klassisches One-way-Ticket wie früher?
Prof. Nachtnebel: Ja, dem stimme ich voll zu. Natürlich wird man immer auch andere Beispiele finden. Aber man muss sich vorstellen, dass alle zentralasiatischen Staaten, besonders alle „–stan-Staaten“ (Turkmenistan, Kasachstan, Usbekistan, usw.) bis vor knapp 20 Jahren Sowjetrepubliken waren. Wesentliches Konzept war die Verbesserung der Ausbildung in dieser Region. Es gab und gibt ausgezeichnete Universitäten, die Leute wurden in der DDR, in Polen oder Russland ausgebildet und gingen später wieder in ihre Länder zurück. Das fachliche Wissen ist daher in vielen Regionen exzellent, am Sektor der Modellierung sind einige westliche Länder vielleicht geringfügig weiter fortgeschritten, ansonsten gibt es kaum Differenzen und insgesamt ist eine Diskussion auf hohem wissenschaftlichem Niveau möglich. Interkultureller Dialog in der Wissenschaft: Haben Sie in der Zusammenarbeit mit Forschern aus anderen Ländern Barrieren aufgrund von kulturellen Unterschieden festgestellt?
Prof. Nachtnebel: Gewisse Hindernisse konnten vor allem im islamischen Kulturkreis, zu dem auch alle bisher erwähnten Länder zu zählen sind, festgestellt werden. Wasser ist dort von der Tradition her ein wertvolles Gut. Wertvoll in dem Sinne, dass es jedem zur Verfügung zu stehen hat und deshalb keinen Preis hat - das heißt, Wasser ist nicht handelbar. Das ist einerseits verständlich, andererseits muss man Wasser, gerade weil es so wertvoll ist, in irgendeiner Weise monetarisieren. Es ist zu bedenken, dass diese Länder große Summen in die Entwicklung wasserwirtschaftlicher Infrastruktur stecken, dem Endverbraucher dies allerdings kaum bewusst ist, auch nicht die Erhaltungskosten, ie aufzuwenden sind. Aus diesem Grund wurden Initiativen, zum Teil auch von der Weltbank, in die Wege geleitet, das Wasser den Endverbrauchern zu verkaufen. Mit dem Ziel, dass diese sorgsamer mit der Ressource Wasser umgehen. Dieser Vorschlag stieß auf sofortige Ablehnung. Stattdessen ist das Wasser jetzt gratis, der Endverbraucher muss aber die lokalen Strukturen wie Bewässerungsgräben oder Pumphäuser selbst erhalten. Er investiert damit Geld in die wasserwirtschaftliche Infrastruktur und hat Eigeninteresse effizienter damit umzugehen. Es ist dies eine gute Vorgehensweise, wobei es Unterschiede in den Umsetzung gibt. Können Sie aus Ihren im Rahmen der Projektarbeit gewonnen Erfahrungen positive Beispiele für Entwicklungskooperation, also Projekte mit nachhaltiger Wirkung, nennen? Was sind negative Beispiele?
Prof. Nachtnebel: Um zu beurteilen, ob ein Projekt nachhaltig ist, braucht es einen Beobachtungszeitraum von mindestens 10 bis 20 Jahren - erst dann ist eine erste Analyse möglich. Generell ist alles was Ausbildung betrifft sehr brauchbar. Konkret ist der Ablauf so, dass Experten aus den Zielländern an europäische Universitäten geschickt werden. Dort schauen sie sich die unterschiedlichen Bildungsprogramme an und übernehmen jene Elemente, die für ihr Land attraktiv sind. Dennoch werden bei der Einrichtung neuer Studien immer zwei Drittel der Lehrinhalte von den Zielländern selbst erarbeitet. Insgesamt funktioniert das gut. Was den Wert der Ausbildung betrifft, ist eine Beurteilung schwieriger, denn in der Umsetzung besteht viel Spielraum. Werden Projekte von außen an die Partnerländer heran getragen oder geht die Initiative von diesen selbst aus? Prof. Nachtnebel: Bei allen Projekten steht zu Beginn ein massives Interesse der Partnerländer, auch bei reinen Forschungsprojekten. Das Aralsee-Projekt zum Beispiel wurde primär von einer zentralasiatischen Institution initiiert. Diese war zu Sowjetzeiten für die Wasserwirtschaft des gesamten Aralsee-Einzugsgebietes zuständig. Durch die politische Entwicklung ist die Kooperation zwischen den „stan“ Staaten drastisch zurückgegangen, womit sich das Problem in der Region verschärft hat. In der Folge ging der Wille zu einem Forschungsprojekt von der Region aus und es wurden verschiedene Entwicklungsstrategien analysiert, die von den betroffenen Ländern erstellt worden waren. Was davon letztlich implementiert wird, ist eine politische und nicht eine wissenschaftliche Entscheidung. Das gilt auch für Österreich: Seit 30 Jahren ist bekannt, dass zu viel Nitrat im landwirtschaftlichen Bereich als Dünger verwendet wird. Trotzdem wird lieber weiter geforscht, anstatt strengere Auflagen für die Landwirtschaft zu erteilen. Welche Perspektiven, Grenzen und besondere Probleme sehen Sie in der Thematik Wasser? Wo gibt es Handlungsbedarf?
Prof. Nachtnebel: Zwei Seiten sind zu unterscheiden: Positiv ist die Wasserrahmenrichtlinie der EU. Sie hat ganz wesentlich dazu beigetragen, dass wasserwirtschaftliche Probleme auf der Einzugsebene betrachtet werden und dadurch erhalten sie automatisch grenzüberschreitenden Charakter. Die Analyse erfordert somit auch Wissen, dass an nationalen Grenzen nicht halt macht. Diese Sichtweise hat sich mittlerweile global durchgesetzt. Würden Sie Beratung als vordergründige Tätigkeit der EZA bezeichnen? Prof. Nachtnebel: Ich würde eher von einem Kooperations- und Erfahrungsaustausch sprechen, weil die Probleme in Europa ähnlich sind. Beispielsweise werden die in Spanien angebauten Tomaten unter hohem Verbrauch an Ressourcen nach Österreich transportiert, obwohl mit Klima bedingter Zeitverzögerung eine Produktion vor Ort auch möglich ist. Die Wertschöpfung ist in beiden Fällen gering und wird nur durch Subventionen ermöglicht. Insofern sind Kooperation und Mediation gute Mittel, um einmal örtliche Verhältnisse im Sinne der Betroffenen zu verbessern und auch eine überörtliche Strategie zu entwickeln. Was ist für Sie sinnvolle Entwicklungszusammenarbeit?
Prof. Nachtnebel: EZA umfasst ein sehr weites Spektrum, sie betrifft alle Bereiche. Einige Projekte sind allerdings kritisch zu betrachten, da es sich dabei um schlichten Export von Technologien handelt. Oder es werden unter dem Mantel der Solidarität, Überschüsse an landwirtschaftlichen Produkten einfach in irgendwelche Länder exportiert. Dort bricht dann die lokale oder regionale Produktion sofort ein. Vielleicht kommt es hier aufgrund der gegenwärtigen Wertsteigerung von landwirtschaftlichen Produkten an den Aktienmärkten zu einer Veränderung. Gibt es einen bewegenden Moment in Ihrer Laufbahn als Wissenschafter?
Prof. Nachtnebel: Die prägenden Momente liegen eher in der Studentenzeit, in den frühen 60er-Jahren. Die Kontakte mit gänzlich anderen Kulturen hatten mich tief beeinflusst. Mein erster Kontakt mit Indien war ein Schock. Das Elend und die Armut der Menschen konnte ich anfangs überhaupt nicht verarbeiten, was sich in Aggression und Überheblichkeit diesen Ländern gegenüber geäußert hat. Erst durch näheres Kennenlernen habe ich ein anderes Bild entwickelt. Heute bin ich auch aufgrund meines Alters abgeklärt. Es kann mich eigentlich nichts mehr erschüttern. Obwohl es noch immer sehr negative Erfahrungen gibt, sehe ich dennoch die Welt sich in eine positive Richtung entwickeln. Katastrophenszenarien halte ich für übertrieben, si helfen niemand.. Ich denke, dass Kooperationen, insbesondere auf wissenschaftlicher Basis, etwas sehr Positives sind, und zwar für beide Seiten. Man lernt viel über den Umgang mit Ressourcen und über den Umgang zwischen unterschiedlichem Kulturkreisen. Auch wenn dieser nicht immer gut und schön ist, so ist es doch interessant zu beobachten, wie es zu Entscheidungen zwischen Mann und Frau, Behörden und Bevölkerung usw. kommt. Das Interview führte Matthias Weissgram
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