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Walther Moser im Gespräch mit Stefan Priesner Teil 3
Mrs. Mina Devi Sharma, her husband Mr. Puspa Lal Sharma, 65 years old, with her daughter-in-law (wife of Rama Kumar Sharma), a nephew and some of their grandchildren. They are all vegetarians for religious reasons, and the large family seems strong and very much reliant - economically, socially and spiritually.
Source: A. O.
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Medienberichte sind sich ziemlich einig, dass Bhutan die demokratische Transformation gut bewältigt hat: Bhutan scheint der Hoffnungsträger in einer Region mehrerer Krisenherde zu sein, wie Assam, Kaschmir, Nepal oder Tibet?
Ja, dem würde ich zustimmen - 80% der Entwicklungsgeschichte von Bhutan ist beeindruckend und es hat nur einen riesigen Fehler gegeben: Das war der Umgang mit dem Südbhutan-Problem. Bhutan ist ja ein Kandidat für eine positive Berichterstattung, als kleines verletzliches Land mit einer sympathischen kulturellen Identität: Bhutan ist ein schönes Land, mit einer gewissen Mystik. Die Berichterstattung hat auch damit zu tun, dass die Informationsquellen von den Behörden kontrolliert werden, obwohl sich in den letzten Jahren das gebessert hat, aber trotzdem: eine Parteien-Opposition existiert kaum und wenn, dann nur auf der Sachebene und nicht auf der politischen Ebene. Zweitens gibt es keine zivilgesellschaftliche Opposition und drittens ist die Opposition der internationalen Gemeinschaft gering, da es nur wenige internationale Organisationen in Bhutan gibt. Meine stärkste Kritik an Bhutan ist der Umgang mit Minderheiten, den SüdbhutanerInnen, die durch eine Dominanz der nordbhutanischen Buddhisten vom Staat ausgeklammert werden.
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Das ist der Stachel im Fleisch der jüngeren bhutanischen Geschichte, und es hat das letzte Jahr recht bedrohlich begonnen: es gab vier Bombenanschläge im Januar 20088 von den "Bhutan Tigers" und "bhutanischen Maoisten". Die Namensgebungen erinnern an Widerstandsbewegungen in Sri Lanka und Nepal. Nach den vier Anschlägen im Januar 2008 gab es keine weiteren Nachrichten über Widerstand in Bhutan.
Ich glaube eher - von meiner Makroperspektive aus gesehen - das Südbhutan-Problem steht vor einer Lösung, zwar nicht durch eine Repatriierung der Flüchtlinge in Bhutan, sondern durch eine Aufnahme in Drittstaaten. Das betrifft circa siebzigtausend Menschen, die in Camps seit fünfzehn Jahren in Ost-Nepal leben. Politischen Reaktionen kämen daher nicht so überraschend.
Wie kam es zu dieser doch erheblichen Fluchtbewegung in einem so kleinen Land?
Ich spreche zwei Konflikte an: der wichtigere ist der Südbhutan-Konflikt! Die Wurzel des Südbuthan-Konflikts liegt im Jahr 1985, als die erste umfassende Volkszählung stattgefunden hat und eine viel höhere Zahl von nepalesischen Einwanderern in Südbhutan lebte als ursprünglich angenommen! Eine Reihe von Maßnahmen stellte darauf ab, entweder Assimilierung oder Auswanderung zu erzwingen. Die Südbhutaner mussten etwa die für ihr Klima zu warme nordbhutanische Kleidung tragen! Das Nepali wurde als Schulsprache abgeschafft. Das führte zu Widerstand und staatlichen Gegenmaßnahmen, wie Militäraktionen, die zur Auswanderung von circa hunderttausend Südbhutanern führten. Manche dieser Südbhutaner waren in den 1970er Jahren aus Nepal eingewandert, die Mehrzahl war zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts nach Bhutan gekommen. Es ist noch immer schwer zu sagen, ob eine gezielte Politik dahinter war, die absichtlich die Anzahl der Südbhutaner reduzieren wollte, oder ob es ein Effekt der Assimilierungspolitik war, der zur Eskalation geführt hat. Es gibt noch ungefähr zehntausend Flüchtlinge, die zum Teil Bhutaner sind. Sie warten in Südnepal auf die Repatriierung, aber eine seriöse Verifizierung hat nie stattgefunden! Inzwischen wird das Problem so gelöst werden, dass Drittstaaten sich bereit erklärt haben, bhutanische Flüchtlinge aufzunehmen, inklusive USA, Kanada und EU Staaten. Bhutan ist noch einmal "gut" weggekommen, weil es sehr wenige Leute gibt, die Bhutan gut genug kennen, um eine informierte Entscheidung zu treffen, und weil die Regierung auch sehr erfolgreich ist, ihre Sichtweise zu kommunizieren9.
Das andere Problem ist, dass an der südlichen Grenze Bhutans, im indischen Staat Assam sezessionistische Bewegungen operieren, die sogenannten ULFAS und die Bodos10. Die ULFAS wollen Assam von Indien abtrennen während die Bodos ein eigenes Mini-Land in Assam gründen wollen. Beide Gruppen sitzen dort seit Anfang 1990, zunächst in den Urwäldern in Nord-Assam, unmittelbar an der südlichen bhutanischen Grenze und wurden dann in bhutanische Südgebiete abgedrängt. Die ULFA war zumindest am Anfang des 21. Jahrhunderts eine sehr gut organisierte und finanzierte Bewegung und hätte Bhutan auch einiges an Schaden zufügen können. In Punkto Außen- und Sicherheitspolitik muss man sich nur die Karte ansehen um zu merken, dass Bhutan extrem verletzbar ist! Ich meine, mit den gigantischen Ländern Indien und China als Nachbarn! Einige Freischärlergruppen sind innerhalb Indiens doch relativ stark und auch von den Tamil Tigers ausgebildet worden. Inzwischen ist das Problem ziemlich gelöst. Vor drei oder vier Jahren, nach einigen Androhungen des bhutanischen Militärs, scheinen sehr effiziente Aktionen durchgeführt worden zu sein, zusammen mit dem indischen Militär.
8 Zit. nach einem Zeitungsbericht: König, Hilmar: Neuer Anschlag in Butan. Eine Vereinte Revolutionäre Front gibt erstmals politische Erklärungen ab. In: Neues Deutschland. Sozialistische Tageszeitung. 06. Februar 2008.
9 Der Kulturwissenschaftler E.C. Wolf, der aus eigener Anschauung die Flüchtlingslager in Nepal kennt, schreibt in einem Artikel für die Gesellschaft bedrohter Völker über die Menschrechtsverletzungen Bhutans. Vor dem Hintergrund der Volkszählung, Mitte der 1980er Jahre, wurde ein wachsender Bevölkerungsanteil der Lhotshampas von knapp über 50% der Gesamtbevölkerung als Bedrohung der Machtpolitik wahrgenommen und jene von Stefan Priesner beschriebenen Repressionen nahmen zu. Vgl: E.C. Wolf: Der verleugnete Bürgerkrieg. Dossier der Gesellschaft für bedrohte Völker. 16. Juni 2005
10 Bodo bezeichnet eine tibeto-birmanische Sprache, hier verwendet Stefan Priesner "Bodos" synonym für separatistische Bewegungen in Assam, wie zum Beispiel die "Bodoland Liberation Tiger Forces". Jenen Gruppen geht es um eine autonome Herrschaft im Brahmaputratal. Dies lässt sich historisch bis in die britische Kolonialzeit nachvollziehen. Dabei finden sich die Bodos auch im Widerstand gegen andere separatistische Gruppen, die wiederum ein von Indien unabhängiges Assam fordern, wie die ULFAS (United Liberation Front of Asom). Dabei übte Indien Druck auf Bhutan aus, Rebellencamps auf seinem Territorium nicht zu dulden.
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