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Wie definieren Sie den Begriff „Fair Reisen“?
K. Chladek: Eine genaue Definition gibt es meiner Meinung nach nicht. „Fair Reisen“
bezieht sich eher auf die Konsumentenseite, also wie das Reisen gehandhabt
wird. „Fair Reisen“ steht im Kontext von Fair Trade. Es bedeutet, fair zu
bleiben gegenüber der Region, die bereist wird, fair zu bleiben gegenüber den
sowohl menschlichen als auch tierischen Bewohnern, das heißt, keine Handlungen zu
setzen, die diesen schaden. Fair zu reisen verlangt aber auch, sich vorab zu
informieren über das bereiste Land, sich auseinandersetzen mit den Problemen
der Region und sich auf andere kulturelle Umstände einzustellen, um nicht
ungewollt in ein Fettnäpfchen zu treten. Es ist wichtig sich über die
Lebensumstände der betreffenden Länder im Klaren zu sein und sich zu fragen
„Was kann ich erwarten?“ So kann vermieden werden, dass überzogene Erwartungen
an das Reiseland gestellt werden. Ein immer wieder kehrendes Thema ist auch der
Umgang mit dem Begriff von Zeit, welcher in anderen Kulturen einfach ein
anderer ist und auf den man als Reisende/r vorbereitet sein sollte.
Ist grundsätzlich ein Trend in diese Richtung zu bemerken?
K. Chladek: Ja, diesen gibt es sicher. Seit Anfang 2007 ist der „LOHAS“-Trend, der
so genannte „Lifestyle of Health and Sustainability“, auf Konsumentenseite
sicher ein Faktor, und das international. Im deutschsprachigen Raum spricht man
eher von „strategischem“, also umwelt- und sozialverantwortlichen Konsum. Das
Thema Umweltschutz und soziale Verantwortung hat einen Aufschwung erlebt, sowohl
in der öffentlichen Wahrnehmung, auch in den Medien, und auch im Hinblick auf
Corporate Social Responsibility. Dieser gesellschaftliche Trend zu mehr
Umweltschutz und nachhaltiger Entwicklung steht sicher auch im Zusammenhang mit
der Präsentation des jüngsten Klimaschutzberichtes des IPPC.
Zurück zum Konsum, wozu ja auch der Reisesektor gehört: Es ist zu beobachten, dass
vermehrt sozial verträgliche Reisen angeboten werden, die auch von der Qualität
her besser und einfach origineller sind als noch vor wenigen Jahren.
Gibt es Reisebüros/Veranstalter, die solche Reisen anbieten?
K. Chladek: Was Österreich betrifft, gibt es auf der Reiseberaterseite die
Reisebüroinitiative Reise mit dem Plus.
Mehrere kleine Reisebüros haben sich zusammengeschlossen und bemühen sich, den
Kunden Reiseangebote – oft auch Pauschalreisen – zu offerieren, die auf Umwelt-
und soziale Verträglichkeit besonders Rücksicht nehmen. Diese Reisen sind nicht
auf den Tourismus in Österreich beschränkt, sondern werden weltweit angeboten.
Dann gibt es die Reiseveranstalter selbst, die teilweise oder auch ganz auf umwelt- und
sozialverträgliche Angebote setzen. Erstens haben auch alteingesessene, große
Reiseveranstalter wie RUEFA inzwischen sehr gut durchdachte Nischenprodukte,
die soziale und ökologische Aspekte berücksichtigen. Ein Beispiel ist die Kooperation
zwischen RUEFA und FAIR TRADE Österreich, welche Studienreisen nach Ecuador und
Costa Rica mit Besuch auf FAIR TRADE-Kooperativen in ihr Programm aufgenommen
haben und sich während dieser Reisen generell bemühen, kleine Anbieter vor Ort
stark zu fördern.
Vor allem sind aber jene Reiseveranstalter zu nennen, die ihre gesamte Betriebsführung nach
ethischen Kriterien ausgerichtet haben. In Österreich mittlerweile sehr bekannt
ist der Trekkingreiseveranstalter Weltweitwandern. Er ist Mitglied des
„forum anders reisen“, einem Verband von ca. 180 kleineren Reiseveranstaltern in
Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dieser Verband hat einen Ethikkodex,
den man bemüht ist einzuhalten. (Nachzulesen unter www.forumandersreisen.de).
Innerhalb des Verbandes gibt es hinsichtlich Destinationen so gut wie alles,
wobei es immer wieder zu Friktionen kommt, da die Frage der Mobilität eine ganz
entscheidende ist. Einige Veranstalter pochen etwa darauf, dass Flugreisen
unter einer gewissen Aufenthaltsdauer nicht angeboten werden, da diese einfach
nicht umweltverträglich sind.
Gibt es Vorteile und Anreize für Reiseveranstalter, solche Reisen anzubieten oder überwiegen die Nachteile – beispielsweise
der Verzicht auf hohe Kundenzahlen?
K. Chladek: Schätzungen von „forum anders reisen“ gehen davon aus, dass etwa 1 %
des Umsatzes im deutschen Reisemarkt auf „Faires Reisen“, entfallen, was nicht
viel ist. Für den Reiseveranstalter
selbst verlangt diese Konzept, wenn es funktionieren soll, eine gewisse
Konsequenz und Durchhaltevermögen. Und es kommt natürlich auch auf die
Erwartungshaltung an. Einen kurzfristigen wirtschaftlichen Erfolg wird es mit einer
konsequenten, auf Umwelt- und Sozialverträglichkeit ausgerichteten Betriebsführung
wahrscheinlich nicht geben, aber wenn man als Reiseveranstalter selbst
Begeisterung für Reisen, für andere Kulturen und Regionen fühlt, dann erlebt
man die Arbeit als wesentlich befriedigender. Man ist stärker mit der Situation
vor Ort vertraut und macht sich Gedanken, wie man einen Beitrag dazu leisten
kann, dass Tourismus eine positive Wirkung für die Wertschöpfung und die
Lebensqualität in den Reiseregionen hat. Das ist ein wesentlicher Punkt von
„Fair Reisen“: Die Menschen vor Ort sollen ökonomisch vorrangig profitieren, es
soll nicht - wie es bei großen Reiseveranstaltern
häufig der Fall ist - der Großteil des erwirtschafteten Umsatzes wieder in die
Konzernzentrale fließen. Hinzu kommt, dass in den Massentourismusregionen die
soziale Akzeptanz nicht immer gegeben ist. Vor allem jene Menschen, die nicht
unmittelbar vom Tourismus leben, betrachten die Touristen oft als lästiges
Übel.
Ist Ihnen bekannt, ob diese Fragestellung in der Wissenschaft schon zum Thema wird oder wurde?
K. Chladek: Ja, immer wieder, wobei es sich um eine sehr interdisziplinäre
Thematik handelt, mit der man sich seit den 70er-Jahren beschäftigt. In meiner Arbeit habe ich zu tun mit
Geografen, zunehmend aber auch mit Wirtschaftswissenschaftern, Soziologen und
Ethnologen. Es werden unter anderem Erhebungen und Umfragen durchgeführt.
Beispielhaft sei eine Befragung zur sozialen Akzeptanz von Tourismus in der
Toskana erwähnt: Sie hat deutlich gezeigt, dass in den Tourismusgebieten, wo einerseits
sehr viele Tagestouristen kommen und gehen, ohne überhaupt zu nächtigen, und wo
andererseits im Sommer sehr viele Badetouristen die Infrastruktur überlasten
(dort wird das Gebrauchswasser z.B. oft knapp), sich die Einheimischen
ausgesprochen belästigt vorkommen und der Tourismus als lästiges Übel
wahrgenommen wird. Natürlich gibt es auch Bewohner, die ausschließlich vom
Tourismus leben, und Regionen, in denen kaum andere Arbeit zu finden ist. Das
stellt für die Touristen aber noch lange keinen Freibrief dar, der ihnen
erlaubt, sich im Urlaub ohne Rücksicht auf die Umwelt und Einwohner der
Urlaubsregion aufzuführen, wie sie es zu Hause kaum wagen würden.
Zahlen, Daten, Fakten: Gibt es Statistiken wie viele Menschen diese Art von Reisen
bevorzugen bzw. buchen?
K. Chladek: Derartige Informationen kann man aus den Buchungszahlen der einzelnen
Veranstalter entnehmen, Schätzungen gibt es immer wieder, zu finden z.B. auf
der Website www.fairunterwegs.org
der Schweizer Organisation AKTE. Für den deutschsprachigen Markt entfallen laut
„forum anders reisen“ ca. 1 % des Umsatzes auf faire Reisen. Das ist nicht viel,
aber 2007 gab es doch eine deutliche größere Steigerung als im Tourismus
allgemein. Zur Situation weltweit kann ich leider keine Zahlen nennen, dazu
sind die Fragestellungen zu komplex. Zum einen gibt es keine klare Enteilung,
was unter „fair reisen“ fällt und was nicht, zum anderen ist eine Datenerhebung
bei den vielen individuellen Reisen sehr schwer. Doch gerade der
Individualtourismus kann durch gezielte Auswahl viel zu einer unbedenklichen
Form des Reisens beitragen. Trotzdem gibt es für Reiseveranstalter als
wesentliche Akteure des Tourismus viele Möglichkeiten und eigentlich auch die
ethische Verpflichtung, zu einer größeren Umwelt- und Sozialverantwortung des Sektors beizutragen. Etwa durch Förderung
kleiner lokaler Beherbergungsbetriebe oder durch Nachfrage bei den Partnern vor
Ort, wie das Beschaffungswesen erfolgt.
Ein Beispiel in Österreich ist Mondial, das größte Incoming-Reiseunternehmen. In
Zusammenarbeit mit dem Umweltzeichen und dem Verein für Konsumenteninformation
hat man den Katalog „Fair reisen in Österreich“ erstellt. Damit versucht man
die Verbindung umweltfreundlicher Mobilität mit ebensolchen Beherbergungsbetrieben
mit dem österreichischen Umweltzeichen. In Österreich ist die Orientierung
relativ leicht, weil es diese Zertifikate gibt, im Gegensatz zu anderen
Ländern.
Welche Anforderungen stellen sich für "faire Reisen" gegenüber "Mainstreamreisen"?
K. Chladek: Seit 1996 gibt es in Österreich für Beherbergungsbetriebe die
Möglichkeit, sich mit dem österreichischen Umweltzeichen auszeichnen zu lassen.
Dieses gibt Kriterien hinsichtlich Wasserverbrauch oder Beschaffungswesen vor.
Daneben gibt es aber auch Betriebe, die mehr tun. Sie führen etwa Fair Trade-Produkte
oder verwenden Biolebensmittel und sind somit wichtige Vorreiter.
Die Reiseveranstalter sollten diese Betriebe dann aktiv in ihre Angebote einbinden.
Konsumenten können aktiv darauf achten, solche Betriebe für ihren Urlaub auszuwählen. Das heißt, es müssen Angebot und
Nachfrage zusammenspielen.
Gibt es einen Katalog mit Anforderungen an Reiseveranstalter, die "faire Reisen" anbieten wollen?
K. Chladek: Das Umweltzeichen Ö vergibt seit Mai 2008 ein Umweltzeichen für
Reiseangebote. Das sind Richtlinien für Reiseveranstalter, auch – und das ist
besonders bemerkenswert - für
Flugreiseveranstalter, die, wenn bestimmte Kriterien für Reiseangebote - nicht
für den gesamten Betrieb - erfüllt werden, dieses Zeichen erwerben können. Es handelt sich dabei natürlich um einen
gewissen Kompromiss, denn wenn man die Reiseindustrie betrachtet, besteht
einfach eine Nachfrage nach Reisen in weiter entfernte Gebiete. Schon allein in
unserem Arbeitsbereich – Entwicklungszusammenarbeit – kommt man um
Fugreisen kaum umhin. Wenn man aber nun das
Problem der Flugreisen thematisiert - sowohl im Hinblick auf deren Klimaschädlichkeit
als auch auf den zunehmenden Ausbau von Flughäfen - dann gibt es zumindest
Richtlinien. Demnach sollten Flüge zu Zielen in Entfernungen unter 700 – 800 km
gar nicht stattfinden und ab dieser Entfernung sollte eine angemessene
Reisedauer eingeplant werden. Das heißt, es muss eine sinnvolle Relation geben.
Gibt es Hilfestellungen für Anbieter, die auf faire Reisen umsteigen wollen?
K. Chladek: Hier ist wieder das Umweltzeichen zu nennen. Es gibt vor, welche
Bedingungen Anbieter erfüllen sollten. Daneben ist das „Forum Anders reisen“
mit seinem Ehrenkodex ein gutes Vorbild, v.a. für kleine und mittelständische
Unternehmen.
Ebenso können sich Beherbergungsbetriebe an ganz klaren Richtlinien orientieren. Weiters gibt
es ein europäisches Umweltzeichen, eine Blume, sowie den skandinavischen
Schwan, ein Umweltzeichen für nordische Beherbergungsstätten und Campingplätze.
Greift dieses Konzept des „fairen Reisens“ auch in Gesetzgebungen für faire Arbeitsbedingungen des Tourismuspersonals?
K. Chladek: Seit Jahren bestehen diesbezüglich Forderungen von NGOs, der UNWTO (Welttourismusorganisation)
oder der International Labor Organisation. Die Arbeitsbedingungen sind
natürlich gerade im Tourismus schwer zu kontrollieren. Konkret wird gefordert, Mitarbeiter
nicht unter dem gesetzlichen Mindestlohn zu beschäftigen und Personal, vor
allem auch im Managementbereich, aus der Region anzustellen und dort auch
auszubilden. Häufig argumentieren Reiseanbieter, dass sie ohnehin Arbeitsplätze
schaffen. Allerdings handelt es sich dabei um einfaches Personal wie Kellner. Die
Bevölkerung vor Ort sollte also nach Meinung mancher Tourismuskonzerne froh und
dankbar sein, überhaupt Arbeit zu bekommen. Man kann hier in manchen Ländern
durchaus von neokolonialen Arbeitsbedingungen sprechen. Idealerweise sollten
Management und Kontrolle von Tourismusangeboten, z.B. Lodges, auch von den
Gemeinschaften in der Region selbst erfolgen – aber das funktioniert nicht
immer, oft fehlt es an Know-How oder an der Erfahrung. Dann spricht nichts
dagegen, dass andere Betreiber sich darum kümmern und natürlich auch
kommerziell davon profitieren. Die lokale Bevölkerung sollte aber auf jeden
Fall Vorteile durch Tourismus haben. Daher ist es wichtig, dass Reiseanbieter Ausbildungsmöglichkeiten
für die lokale Bevölkerung schaffen und interessierten Leuten auch
Managementaufgaben anvertrauen, sonst bleibt es bei diesen erwähnten
neokolonialen Bedingungen und diese entsprechen nicht den Vorstellungen, was
man sich von einem verantwortungsvollen Arbeitgeber oder fairen
Arbeitsbedingungen generell erwartet.
Greift dieses Konzept in politische Gesetzgebungen von Ländern, die beispielsweise mit Sextourismus zu kämpfen haben?
K. Chladek: Ja, durchaus und es ist dies ein wichtiger Aspekt, vor allem wenn
Kinder betroffen sind. Es gibt seit Jahren sehr konzentriertes politisches
Lobbying in den Staaten, die mit diesem Problem zu kämpfen haben, z.B. Thailand
oder Brasilien. Man hat dort auch wirklich entsprechende Gesetze. Die Wirtschaft
ist stark in der Verantwortung: die offensive Haltung der Tourismuswirtschaft
gegenüber dem Problem des kommerziellen sexuellen Missbrauchs von Kindern im
Tourismuskontext ist ganz wichtig. Nach vor wenigen Jahren war das ein
Tabuthema, an das die Tourismuswirtschaft mit wenigen Ausnahmen nicht
anstreifen wollte. Man befürchtete einen Imageschaden. Das hat sich schon etwas
geändert, zum Glück. Airlines, Hotels und Reiseveranstalter machen ihre Kunden
darauf aufmerksam, dass sie Kindersextourismus nicht dulden, sondern verfolgen
werden. Das Personal in Hotels und anderen Tourismusbetrieben wird aufgefordert,
verdächtige Vorfälle – Missbrauch von Kindern - zu melden. Solche Straftaten sind strafgerichtlich verfolgbar, auch in
Europa und Österreich. Das heißt, ein Österreicher, der in einem Urlaubsland
Sex mit Kindern kauft, kann in Österreich angeklagt und verurteilt werden. Das
Problem liegt weniger in den strafgesetzlichen Regelungen, denn diese sind inzwischen
vorhanden. Sondern vielmehr in der Beweisführung. Es gibt wenige Zeugen, die
den Mut haben, z.B. zu fotografieren oder auch einfach auszusagen.
Kann man generalisieren und ganze Regionen oder Länder als Gebiete ausweisen, die sich besser oder schlechter für Faires Reisen eignen?
K. Chladek: Von Eignung kann man nicht wirklich sprechen. Die unterschiedlichen
Voraussetzungen liegen eher in der Vergangenheit. Inwieweit haben sich
Regierungen, Behörden und Bevölkerung früh mit sozialer und Umweltgerechtigkeit
auseinander gesetzt? Hat man als Tourismusregion einmal ein schlechtes Image,
kann dies langfristig nur korrigiert werden, wenn man eine andere Form von
Tourismus fordert und fördert. In Mallorca zum Beispiel ist niemand erfreut
über den massiven Billigtourismus. Die Insel leidet unter dem negativen Image
und tut sich extrem schwer, dieses loszuwerden.
Es handelt sich immer um ein Zusammenspiel zwischen der lokalen/internationalen
Tourismuswirtschaft und der Bevölkerung. Wenn man es u.a. als lokale Behörde
mit Blick auf erhöhte Steuereinnahmen zulässt, dass immer mehr und größere
Hotels entstehen, dann wird ein Prozess in Gang gesetzt, der langfristig
möglicherweise bedenklich ist.
Tendenziell lässt sich sagen, dass mit den herkömmlichen Tourismuskonzepten ein mittel- und
langfristiger Erfolg nicht unbedingt gegeben ist. Wenn nämlich die Mehrheit der
Bevölkerung in einer Region nicht vom Tourismus profitiert, an der Umwelt
Raubbau betrieben wird und die soziale Akzeptanz nicht gegeben ist, wird das
nicht lange gut gehen. Außerdem fehlt über kurz oder lang die Nachfrage. Bsp.:
Dominikanische Republik - All-inklusive-Angebote – hier gibt es große Schwierigkeiten.
Schlussbemerkungen (K. Chladek):
Das Thema Tourismus ist sehr komplex und man kann es von vielen Seiten betrachten. Von
Seiten der Behörden und Politiker ist die Frage zu stellen: „Womit ist zu
rechnen, wenn wir in unserer Region Tourismus aufbauen?“ Es muss eine Entscheidung
getroffen werden zwischen einer kurzfristigen Denkweise, welche in erster Linie
auf schnelle Steuereinnahmen abzielt, und mittel- oder langfristigen
Betrachtungsweisen. Tourismus spielt
häufig eine bedeutende Rolle in der Regionalentwicklung, sodass weiters zu
fragen ist: „Wohin möchte man? Welche Funktionen sollen erfüllt werden?“
Leider bleibt eine solche Auseinandersetzung darüber, was Tourismus abseits von
Kundenzahlen sonst noch leisten kann, in der Tourismusplanung meist auf der
Strecke. Dabei wäre es sehr wichtig, sich Gedanken über mögliche Prozesse, die
in einer Region durch Tourismus in Gang gesetzt werden könnten, zu machen.
Hier
öffnet sich ein noch relativ neues Feld für die Forschung, nämlich Tourismus
und Friedensentwicklung. Ein junger Forschungszweig in den NL, an der
Universität Stenden in Leeuwarden, hat
sich diesem Aspekt gewidmet: Was kann Tourismus etwa an Orten bewirken, wo der
soziale Frieden nicht gegeben ist? Wo sich verfeindete Gruppen zusammensetzen
müssen, um ein Tourismuskonzept zu entwickeln? Es sind dies interessante
Fragestellungen mit viel versprechenden Perspektiven. Wenngleich festzuhalten
ist, dass das alte Klischee vom Tourismus, der praktisch automatisch Frieden bringt,
natürlich so nicht stimmt. Aber Tourismus kann durchaus als Katalysator wirken
und Menschen in Regionen zusammenbringen, wie man am Beispiel Belfast sehen
kann.
Das Interview führte Matthias
Weissgram.
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Mag. Karin Chladek, Studium der Anglistik/Amerikanistik, Spanisch und Germanistik an der Universität Wien und der University of Nottingham, Großbritannien.
Absolventin des postgradualen Universitätslehrgangs für Wissenschaftskommunikation (Scimedia) am IFF, Universität Klagenfurt. Interdisziplinärer Lehrgang für
Höhere Lateinamerika-Studien am Lateinamerika Institut Wien (teilweise).
Pressereferentin und Projektmitarbeiterin bei respect – Institut für Integrativen Tourismus und Entwicklung, daneben als freie Journalistin tätig.
Arbeitsschwerpunkte: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Umwelt- und Reisejournalismus, Ökologie und Regionalentwicklung.
Chefredaktion von Integra – Zeitschrift für Integrativen Tourismus und Entwicklung.
Webseite: http://www.respect.at/
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