| Interview FWF Praesident Kratky |
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Herr Präsident Kratky, wie Sie wissen bemüht sich die KEF seit langem darum, dass WissenschafterInnen aus Entwicklungsländern bei FWF Projekten als vollwertige Partner mitmachen können. Es gab im Jahr 2006/2007 sogar eine Petition dazu, die von zahlreichen rennommierten österreichischen WissenschafterInnen unterschrieben wurde. Wir freuen uns daher ausserordentlich darüber, dass nun die Möglichkeit für die Finanzierung von Partnern in Entwicklungsländern besteht. Können Sie uns mehr darüber erzählen wie dies nun zustande gekommen ist und ab wann eine Einreichung möglich sein wird? Dr. Kratky: Bereits bislang bestand die Möglichkeit, im Rahmen von FWF-Förderungen Projektpartner in Entwicklungsländern finanziell zu unterstützen. Die Neuordnung und Konkretisierung der Rahmenbedingungen für Kooperationen mit Entwicklungsländern sind Teil der generell verstärkten Aktivitäten des FWF im Bereich der internationalen Forschungskooperationen mit dem Ziel, der österreichischen wissenschaftlichen Gemeinschaft adäquate Fördermöglichkeiten zur Verfügung zu stellen und für Kooperationspartner in Entwicklungsländern transparente Rahmenbedingungen für eine Zusammenarbeit zu schaffen. Der FWF hat sich hier an einer vergleichbaren Vorgangsweise der DFG orientiert. Die Regelung betrifft jene Länder, die in der DAC Liste der OECD als „Least Developed Countries“ sowie „Other Low Income Countries“ angeführt werden. Momentan werden FWF-intern die Verfahrensabläufe implementiert, die Möglichkeit zur Einreichung ist für Anfang 2009 geplant. Was bedeuten die neuen Möglichkeiten für WissenschafterInnen, die Projekte gemeinsam mit Partnern in Entwicklungsländern durchführen wollen? Gibt es besondere Anforderungen oder Auflagen, die sich von anderen FWF-Projektförderungen unterscheiden, oder sind einfach alle Förderschienen für die Partner offen? Dr. Kratky: Ziel der Maßnahme ist die Erleichterung der Möglichkeit, Kooperationspartnern in Entwicklungsländern die im Rahmen der Projekterfordernisse entstandenen Aufwendungen finanziell abzugelten. Die Umsetzung erfolgt nicht als eigenes Förderprogramm, sondern im Rahmen des normalen Programmportfolios des FWF, wobei bei den Stipendienprogrammen aufgrund der spezifischen Kostenstrukturen gewisse Einschränkungen bestehen. Müssen die Projekte ausschließlich Forschung als Ziel anstreben, oder können auch Weiterbildungsmöglichkeiten für Partner in Entwicklungsländern oder die Verbreitung von Wissen angesprochen werden ? Gibt es Vorgaben für die inhaltliche Ausrichtung der Projekte? Dr. Kratky: Der gesetzliche Auftrag des FWF ist die Förderung von Forschung, die an einer österreichischen Forschungsstätte oder von dieser ausgehend durchgeführt wird. Forschungskooperationen mit Partnern aus Entwicklungsländern müssen diesem Umstand Rechnung tragen. In Entwicklungsländern können daher ausschließlich solche Kosten übernommen werden, die prinzipiell auch in Österreich zulässig sind. Inhaltliche Vorgaben gibt es gemäß den Grundsätzen des FWF keine. Wie sieht es mit der Finanzierung aus, gibt es hier Limitierungen bzw. wie werden die Gelder für die Partner in Entwicklungsländern ausgezahlt? Dr. Kratky: Finanzielle Limitierungen sind a priori nicht vorgesehen. Im Sinne des gesetzlichen Auftrags des FWF wird das wissenschaftliche Hauptgewicht des Projekts jedenfalls bei der österreichischen Projektleitung liegen. Dieser Umstand findet im Rahmen der Entscheidungsfindung Berücksichtigung. Die genauen Auszahlungsmodalitäten werden derzeit ausgearbeitet. Wie werden die Projekte evaluiert? Sind dafür auch Kriterien vorgesehen, die die Situation der Partner in Entwicklungsländern oder entwicklungspolitische Vorgaben, wie die Millenniumentwicklungsziele, berücksichtigen? Dr. Kratky: Die Evaluierung der Projekte erfolgt nach normalen FWF Verfahren; wie bei allen internationalen Kooperationsprojekten ist die wissenschaftliche Relevanz der internationalen Kooperation für die Erreichung der Projektziele Teil der Evaluierung. Die Berücksichtigung darüber hinausgehender entwicklungspolitische Ziele sind nicht Teil der Aufgabe des FWF. Nun zu allgemeineren Fragen, die unsere WebuserInnen und Partner sicher auch sehr interessieren. Sie sind Präsident des FWF, der größten österreichischen Fördereinrichtung für Grundlagenforschung. Was bedeutet für Sie wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern? Was für einen Stellenwert hat diese für die österreichische Wissenschaft? Wie denken Sie, sollte Forschungszusammenarbeit mit Entwicklungsländern wissenschaftlich evaluiert werden? Dr. Kratky: Die faire Einbindung von Partnern in Entwicklungsländern bei relevanten Forschungsvorhaben ist teilweise leider noch immer keine Selbstverständlichkeit. Hier ist die Verantwortung jedes Forschers und jeder Forscherin gefragt. Für die österreichische Wissenschaft ist die Kooperation mit Entwicklungsländern im Rahmen des weltweite Wettbewerbs um die besten Köpfe als eine Investition in die Zukunft zu sehen, von der beide Seiten profitieren. Wie denken Sie, sollte Forschungszusammenarbeit mit Entwicklungsländern wissenschaftlich evaluiert werden? Dr. Kratky: Forschungszusammenarbeit mit Entwicklungsländern kann unterschiedliche Ziele verfolgen, dies ist bei der Evaluierung entsprechend zu berücksichtigen ist. Bei Grundlagenforschung, wie sie vom FWF gefördert wird, hat sich die Evaluierung an den gängigen internationalen Qualitätsstandards zu orientieren. Im Gegensatz dazu kann Forschungszusammenarbeit mit Entwicklungsländern auch spezifischen entwicklungspolitischen Zielen dienen, z.B. zum „capacity building“ beitragen oder auf konkrete lokal relevante Themen fokussieren. Hierbei steht nicht notwendigerweise wissenschaftliche Exzellenz, sondern die spezifische Zielerreichung im Vordergrund, was im Rahmen der Evaluierung dann zu berücksichtigen ist. Letzteres ist allerdings außerhalb des gesetzlichen Rahmens des FWF. Exzellente Wissenschaft wird oft als Tradition und Privileg der wohlhabenderen Länder gesehen, v.a. in Europa und Nordamerika. Wie sehen Sie das? Dr. Kratky: Natürlich erfordert exzellente Wissenschaft ausreichende finanzielle Ressourcen, die in Entwicklungsländern oft nur begrenzt zur Verfügung stehen. Gleichwohl kann angemerkt werden, dass dies – genauso wie in den „entwickelten Länder“ auch – zu einem gewissen Teil eine Frage der Prioritätensetzung ist. Grundsätzlich sind Investitionen in Bildung und Wissenschaft jedenfalls als nachhaltig anzusehen und können einen wesentlichen entwicklungspolitischen Beitrag leisten. Welche ethischen Aspekte könnten in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen wohlhabenden Ländern wie Österreich und sogenannten Entwicklungsländern relevant werden? Dr. Kratky: Grundsätzlich müssen Wissenschafter/innen in Entwicklungsländern als gleichwertige Partner respektiert werden. Dies beginnt bereits in der Phase der Projektkonzeption, und setzt sich fort während der Projektlaufzeit in Form gleichberechtigten Zugangs zu Information sowie Publikation der Forschungsergebnisse. Nun zu meiner letzten Frage. Wie Sie wahrscheinlich wissen, fördert die KEF in sehr kleinem Rahmen seit mehr als 25 Jahren Forschungspartnerschaften mit Entwicklungsländern im Bereich der angewandten Forschung. Welche Aufgabe sehen Sie für die KEF in Zukunft? Was würden Sie sich für eine gute Zusammenarbeit mit dem FWF von uns wünschen? Dr. Kratky: Die KEF hat sich in den letzten 25 Jahren aufgrund ihrer konsequenten entwicklungspolitischen Ausrichtung Verdienste und praktische Erfahrungen erworben, die weit über den begrenzten Förderrahmen hinausgehen. Daher ist die KEF ein wichtiger Akteur in einem nationalen entwicklungspolitischen Diskurs im Bereich Wissenschaft und Forschung, der auf breiterer Basis anzustreben wäre. Auch der FWF ist bereit, hier einen entsprechenden Beitrag zu leisten. Das Interview führte Birgit Habermann
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